Laufende auf der Straße, von der Seite gesehen
Zur LaufanalyseFür die Praxis

Überpronation: gemessen, und dann?

Pronation ist das normale Einwärtskippen des Fußes nach dem Aufsetzen. Wie viel davon jemand zeigt, lässt sich messen. Was lange darauf aufgebaut wurde, hält der Prüfung allerdings schlechter stand als der Nachdruck vermuten lässt, mit dem es vorgetragen wird.

Was Pronation ist

Nach dem Aufsetzen kippt der Fuß nach innen, das Fußgewölbe senkt sich etwas, und der Unterschenkel dreht mit nach innen. Das gehört so: es ist die Art, wie der Fuß den Stoß aufnimmt und sich an den Untergrund anpasst.

Überpronation heißt: mehr von dieser Bewegung als im Durchschnitt. Supination oder Unterpronation heißt: weniger. Die Einteilung, die man im Laufschuhgeschäft hört -- neutral, überpronierend, unterpronierend -- ist also keine Einteilung in richtig und falsch. Sie beschreibt, wo jemand auf einer Skala liegt, auf der fast alle irgendwo in der Mitte sitzen.

Was die Forschung dazu sagt

Hier wird es unbequem, denn die Annahme unter dieser Einteilung ist schwächer als die Bestimmtheit, mit der sie verkauft wird.

In einer dänischen Kohorte wurde bei knapp tausend Laufanfängerinnen und -anfängern zuerst die Fußstellung gemessen. Alle bekamen denselben neutralen Schuh, und ein Jahr lang wurde festgehalten, wer sich verletzte. Wer pronierte, verletzte sich nicht häufiger als wer neutral aufsetzte; in der Gruppe mit der deutlichsten Pronation waren es eher etwas weniger.

Das zweite Standbein der Annahme ist die Schuhempfehlung selbst. In großen randomisierten Untersuchungen unter militärischen Rekruten wurden Schuhe nach der Form der Fußsohle zugewiesen und mit einer Zuweisung verglichen, die die Fußform schlicht ignorierte. Die Zahl der Verletzungen unterschied sich nicht.

Zusammen ist das ein unerfreuliches Ergebnis für eine Empfehlung, die seit dreißig Jahren gegeben wird: die Fußstellung zu messen und daraus einen Schuhtyp zu wählen, bringt keinen nachweisbaren Vorteil.

Was das bedeutet und was nicht

Vier Dinge, die aus dem Obigen ausdrücklich nicht folgen.

  1. 1

    Nicht, dass es Pronation nicht gibt

    Es gibt sie, sie fällt von Person zu Person verschieden aus, und sie ist sichtbar und messbar. Die Messung ist nicht das Problem.

  2. 2

    Nicht, dass Stabilschuhe nutzlos sind

    Sie existieren nicht ohne Grund, und wer auf ihnen angenehm läuft, hat keinen Anlass zu wechseln. Komfort ist in der Praxis der brauchbarere Maßstab als eine Kategorie.

  3. 3

    Nicht, dass Beschwerden eingebildet sind

    Wer Schmerzen hat, gehört zu einer Ärztin oder in die Physiotherapie und nicht auf eine Informationsseite. Diese Messung ersetzt das nicht und trifft dazu keine Aussage.

  4. 4

    Wohl aber: Vorsicht bei der Kategorie

    Wer beschwerdefrei läuft und allein aufgrund seiner Fußstellung zu einem anderen Schuhtyp überredet werden soll, hört eine Begründung, die dünner ist als das Gespräch vermuten lässt.

Worauf sich stattdessen schauen lässt

Von den Dingen, die sich an einem Laufbild ändern lassen, ist eine Handvoll auf ihre Wirkung auf die Laufökonomie untersucht worden: die Schrittlänge gegenüber der eigenen Vorzugslänge, die vertikale Bewegung, und wie weit vor der Hüfte der Fuß aufsetzt. Das sind zugleich die Dinge, die oberhalb des Fußes liegen.

Worauf Sie schauenWas Sie sehen wollen
Schrittfrequenzum oder über 170 Schritte pro Minute im Dauerlauftempo
Wo der Fuß aufsetztdicht unter dem Körper, nicht weit vor der Hüfte
Vertikale Bewegungwenig auf und ab; der Kopf bleibt ruhig
Unterschied links und rechtsBodenkontaktzeiten, die ungefähr gleich lang sind

Die Fußstellung selbst ansehen

Dafür braucht es kein Labor. Lassen Sie sich von hinten filmen, in ruhigem Tempo, mit der Zeitlupenfunktion des Telefons. Halten Sie das Bild kurz nach dem Aufsetzen an und sehen Sie sich die Linie von der Wade zur Ferse an: kippt diese Ferse nach innen, und wie weit?

Zwei Dinge dazu. Erstens proniert jede und jeder, "er kippt nach innen" ist also für sich genommen kein Befund. Zweitens ist der Fuß ausgerechnet der Teil, der sich auf Video am schlechtesten beurteilen lässt: er ist klein, er bewegt sich schnell, und der Schuh verdeckt die Hälfte.

Was oberhalb des Fußes geschieht -- Knie, Hüfte, Schrittlänge -- lässt sich auf demselben Bild deutlich zuverlässiger ablesen. Genau deshalb liegt der Schwerpunkt der Laufanalyse dort, und genau deshalb steht auf der Seite für die Podologie, dass Fuß und Sprunggelenk auf zweidimensionalem Video orientierend bleiben. Eine Messung, die mehr verspricht, als das Bild tragen kann, ist keine Messung, sondern eine Meinung mit Zahlen daneben.

Häufige Fragen

Was ist Überpronation?
Das Einwärtskippen des Fußes nach dem Aufsetzen, stärker ausgeprägt als im Durchschnitt. Pronation selbst ist eine normale Bewegung, mit der der Fuß den Stoß aufnimmt; "über" bezeichnet nur die Lage auf einer Skala und keinen Defekt.
Braucht man bei Überpronation einen Stabilschuh?
Das lässt sich aus der Fußstellung nicht ableiten. In randomisierten Untersuchungen unter militärischen Rekruten wurden Schuhe nach der Form der Fußsohle zugewiesen und mit einer Zuweisung ohne Rücksicht auf die Fußform verglichen; ein Unterschied zeigte sich nicht. Wer auf einem Stabilschuh angenehm läuft, hat keinen Grund zu wechseln, und wer beschwerdefrei neutral läuft ebenso wenig.
Sagt die Fußstellung Verletzungen vorher?
Nein. In einer Kohorte von knapp tausend Laufanfängern, die alle denselben neutralen Schuh trugen, verletzten sich die Pronierenden über ein Jahr nicht häufiger als die übrigen. Die Fußstellung ist danach kein brauchbarer Vorhersagewert, und diese Messung wird auch nicht dafür angeboten.
Lässt sich Pronation auf Video messen?
Orientierend. Der Fuß ist klein, bewegt sich schnell und wird vom Schuh halb verdeckt, und zweidimensionales Video unterschätzt Gelenkwinkel systematisch. Was oberhalb des Fußes geschieht -- Schrittfrequenz, Aufsetzpunkt, vertikale Bewegung, Seitenunterschiede -- ist auf demselben Bild deutlich zuverlässiger.

Messen, was sich messen lässt

Die Laufanalyse misst aus einer gewöhnlichen Zeitlupenaufnahme, was sich zuverlässig ablesen lässt, und schreibt die Streuung dazu. Die erste Analyse ist kostenlos.

Laufanalyse ansehen

Eine Messung von Leistung und Effizienz. Keine Diagnose, keine Behandlung und keine Aussage über Beschwerden oder Verletzungen.